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Antrag beschlossen vom 66. Landeskongress Bayern am 03.06.2007 In der deutschen Politik wurden im ersten Quartal 2007 wahre Lawinen an neuen Verbotsideen losgetreten. Nahezu jeden Tag landeten neue Vorschläge in den Medien, was als nächstes zu verbieten sei.
Die Jungen Liberalen Bayern lehnen diesen populistischen
Verbotswahn kategorisch ab.
Verbote mögen in einigen Punkten, wie etwa im Strafrecht
unbestritten ihre Berechtigung haben, doch in den heutigen
politischen Auseinandersetzungen wird vom Instrument des Verbotes
gerade zu inflationär Gebrauch gemacht. Häufig dient dies nur dazu
ein bestehendes Problem möglich schnell und öffentlichkeitswirksam
scheinbar zu lösen. Dabei bestehen die Probleme weiter und werden
nur kurzfristig durch das Verbot von der Tagesordnung
verdrängt.
An die Stelle des Gesetzesaktionismus müssen die konsequente
Anwendung geltenden Rechts und eine bestmögliche personelle,
technische und finanzielle Ausstattung der Sicherheitsbehörden
treten. Beispielhaft sei hier der peinliche Eiertanz um die
Einführung des Digitalfunks für Sicherheitsbehörden genannt. 1. Schüler IDDie JuLis lehnen die von der Kultusministerkonferenz angedachte Schüleridentifikationsnummer mit Nachdruck ab. Dass die Menge der bisher zu quantitativen Zwecken erhobenen Daten nun erweitert und zu qualitativen Zwecken erhoben werden soll, halten die Jungen Liberalen für nicht hinnehmbar. Es ist vollkommen inakzeptabel, dass von Kindesbeinen an über jeden Menschen eine Akte, ergänzt um entsprechende Daten, geführt wird. Dies ist ein unzulässiger Eingriff in das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, der keinerlei Rechtfertigung besitzt.
Die JuLis Bayern sind sich der Tatsache bewusst, dass das
Kultusministerium und seine Behörden zur Ausführung ihrer
Tätigkeiten und zur zukünftigen Planung auf Daten aus den Schulen
angewiesen sind. Die JuLis Bayern fordern deshalb, dass die
Erhebung von Schülerdaten bleibt wie sie ist, da die rein
quantitative Erhebung in der Vergangenheit ausgereicht hat, in der
Gegenwart erkennbar ebenfalls ausreicht und auch in der Zukunft
ausreichen wird. Eine Ausweitung zur qualitativen Erhebung bringt
nur mehr Bürokratie und damit mehr Kosten für den
Steuerzahler. 2. BankgeheimnisIm Rahmen der Anti-Terrorgesetzgebung und weiterer Gesetze unter der Rot/Grünen Bundesregierung wurden die Auskunftspflichten der Banken ausgweitet. Diesen Zustand halten die JuLis für nicht hinnehmbar. Das Bankkonto gehört eindeutig zur Privatsphäre, in die nur aufgrund eines richterlichen Beschlusses eingegriffen werden darf.
Es ist inakzeptabel, dass eine große Anzahl von Staatsbediensteten
ohne großen Aufwand auf die Bankdaten eines jeden Bürgers zugreifen
kann. Neben der großen Gefahr des Missbrauches stellt dieses einen
nicht zu rechtfertigen Abbau von Grundrechten dar, der schnellst
möglich revidiert werden muss. 3. Bayerisches MeldegesetzDas bayerische Gesetz über das Meldewesen schränkt das, im deutschen Grundgesetz verankerte, Recht auf freie Wahl des Wohnsitzes auf inakzeptable Weise ein.
Meldet ein Bürger in Bayern einen Zweitwohnsitz an, so erhält er
nach kurzer Zeit ein Schreiben der städtischen Meldebehörde, in
welchem der betreffende Bürger aufgefordert wird, einen
detaillierten Plan mit Nachweisen (Bahntickets, Bescheinigungen,
usw.) vorzulegen, zu welchem Zeitraum er sich an welchem Ort
aufgehalten hat.
Die Jungen Liberalen halten es dagegen für richtig, dass jeder
Bürger selber entscheiden kann, an welchem Ort er seinen
Erstwohnsitz anmeldet.
4. VideoüberwachungDie in den vergangenen Jahren immer weiter forcierte
Videoüberwachung an immer mehr öffentlichen Plätzen ist nicht
hinnehmbar. Die Jungen Liberalen sind der Auffassung, dass
flächendeckende Videoüberwachung nichts anderes ist, als eine große
staatliche Bespitzelungsaktion. Videoüberwachung dringt auf
inakzeptable Weise in die Grundrechte und die Privatsphäre der
Bürger ein. Die Jungen Liberalen in Bayern fordern, dass sich der
Staat mit seinen elektronischen Augen aus dem Privatleben der
Menschen herauszuhalten hat. Daher lehnen die JuLis Bayern eine
staatliche Videoüberwachung öffentlicher Plätze ab. 5. Online-DurchsuchungenDie JuLis sprechen sich vehement gegen eine weitere Aushöhlung der Bürgerrechte durch heimliche Online-Durchsuchungen ohne richterliche Anordnung aus. Der PC gehört zur in der heutigen Zeit wie die Wohnung selbstverständlich zur Privatsphäre der meisten Bürger.
Der Staat darf auch nicht ohne Durchsuchungsbefehl in die Wohnung
eines Bürgers eindringen, deshalb fordern die bayerischen Jungen
Liberalen, dass mit PCs genauso verfahren wird: Ohne richterlichen
Beschluss keine Durchsuchung. Der von einer genehmigten
Onlinedurchsuchung Betroffene wird im Nachhinein über die gegen ihn
gerichtete Maßnahme umgehend informiert. 6. Anti-Islamisten-PaktDie Julis sprechen sich mit Nachdruck gegen den Anti-Islamisten-Pakt aus. Es kann in einer freiheitlichen Gesellschaft nicht angehen, dass eine bestimmte Religionsgruppe von vorn herein unter Generalverdacht gestellt wird. Ebenso sind Universitäten nicht für die präventive Überwachung ihrer Studenten zuständig. Ein Klima von Spitzel- und Denunziantentum hat an einer Universität nach Meinung der JuLis Bayern keinen Platz.
7. KillerspieleAuch wenn die Diskussion in der Öffentlichkeit wieder abgeflaut
ist, bekräftigen die JuLis Bayern noch einmal die vehemente
Ablehnung eines Verbotes von so genannten Killerspielen. 8. Sex-Verbot für HIV-InfizierteEin Sex-Verbot für Menschen mit HIV-Infektion, wie aus einigen Teilen der Union gefordert, lehnen die Jungen Liberalen ab. HIV-Infizierte genießen trotz ihrer Infektion die selben Rechte wie allen anderen Bürger auch.
Die JuLis Bayern fordern die Union dazu auf, anstatt solcher
absurden Ideen politische Entwürfe zur Prävention und Bekämpfung
von AIDS zu machen. 9. JugendschutzgesetzEine Verschärfung des Jugendschutzgesetzes bei Alkohol und Tabakwaren lehnen die JuLis ab. Vorfälle wie der in Berlin können nicht durch ein Alkoholverbot verhindert werden, sondern nur durch die entsprechende Erziehung und Bildung. Die bisherigen gesetzlichen Regelungen reichen völlig aus. Wirte, die Alkohol an Minderjährige ausschenken, müssen mit Konsequenzen rechnen.
10. Rasterfahndung
Die JuLis Bayern fordern einmal mehr endlich eine Evaluation der
Rasterfahndung per se ein. Sowohl die aktuelle Bundesregierung als
auch Vorgängerregierungen sind eine Überprüfung schuldig geblieben.
Sobald eine Evaluation vorliegt, kann über den weiteren Einsatz der
Rasterfahndung entschieden werden. 11. Daten aus der LKW-MautMit Einführung der LKW-Maut begann die Diskussion über eine mögliche Nutzung der durch die Mautanlagen gesammelten Daten zur Verbrechensbekämpfung. Die JuLis sprechen sich gegen jegliche Ansätze aus, die Mautdaten zu anderen Zwecken als der Erhebung der Maut zu nutzen. Die Errichtung einer Datenbank aus den Mautdaten lehnen die Jungen Liberalen in Bayern entschieden ab.
12. FingerabdruckspeicherungAuf den Vorschlag aus der Union Fingerabdrücke zukünftig nicht
nur in Reisepässen, sondern auch bei den Meldebehörden zu
speichern, reagieren die JuLis mit eindeutiger Ablehnung.
13. Großer LauschangriffEbenfalls aus der Union kommt der Vorschlag den Großen
Lauschangriff auszuweiten. Auch dieses Vorhaben kann in den Augen
der JuLis Bayern nicht hingenommen werden. Die Jungen Liberalen
fordern die Abschaffung des großen Lauschangriffs. 14. GTAZ der parlamentarischen Kontrolle unterstellenIm gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) tauschen insgesamt 220 Beamte aus dem Bundeskriminalamt, Verfassungsschutz, Bundesnachrichtendienst, Zollkriminalamt und Militärischem Abschirmdienst, sowie Vertreter der Landeskriminalämter, der Bundespolizei und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Erkenntnisse aus und entwickeln so aktuelle Lagebilder zur Gefährdungssituation in Deutschland. Der Bundesdatenschutzbeauftragte hat darauf hingewiesen, dass hier vermehrt gegen das Trennungsgebot zwischen Polizeibehörden und Nachrichtendiensten verstoßen wird. Spätestens diese Mahnung zeigt, dass das GTAZ bislang keiner ausreichenden Kontrolle untersteht. Die JuLis Bayern sprechen sich daher dafür aus, das GTAZ dem Parlamentarischen Kontrollgremium unterzuordnen.
15. TelefondatenspeicherungDie JuLis fordern die Europäische Union zur sofortigen Rücknahme
ihrer Richtlinie zur Telefondatenspeicherung auf. Es ist für die
JuLis Bayern ein inakzeptabler Eingriff in die Freiheit, wenn die
Telekommunikationsunternehmen dazu verpflichtet werden die Daten
ihrer Kunden, wie Standorte, Verbindungen, besuchte Websites usw.,
sechs Monate lang zu speichern. Es kann in einem Rechtsstaat nicht
Sinn und Zweck von Gesetzen sein, alle Bürger unter Generalverdacht
zu stellen.
Die Jungen Liberalen Bayern sind der Meinung, dass ein Konzept
entwickelt werden kann, mit dem die Polizei (nach richterlicher
Anordnung) auf gewisse Telekommunikationsdaten zugreifen kann, ohne
dass das Recht auf informationelle Selbstbestimmung aller Bürger
mit Füßen getreten wird. 16. Achtung des rechtsstaatlichen Grundsatzes der VerhältnismäßigkeitDie Jungen Liberalen fordern die große Koalition auf, bei künftigen Gesetzesvorhaben dem rechtsstaatlichen Prinzip der Verhältnismäßigkeit (sog. Übermaßverbot) größere Beachtung und Geltung einzuräumen.
Der Gesetzgeber sollte demnach aus mehreren Handlungsalternativen
diejenigen auswählen, welche die Freiheit der Bürger am wenigsten
einschränkt
17. Wirken der Jungen Liberalen gegenüber der FDP in Land und Bund beim Thema BürgerrechteIn Zeiten einer großen Koalition ist die FDP beim Thema Bürgerrechte besonders gefordert. Die ständigen Vorschläge, vor allem aus der Union aber auch aus der SPD, zum Abbau von Bürgerrechten dürfen von den Liberalen nicht einfach so hingenommen werden. Die Jungen Liberalen Bayern fordert deshalb die FDP bundesweit und im besonderen die FDP Bundestagsfraktion und die Landtagsfraktionen dazu auf, viel stärker als bisher das Thema Bürgerrechte in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken und sich weit mehr als bisher öffentlichkeitswirksam gegen einen weiteren Kahlschlag bei den Bürgerrechten einzusetzen. Gleichzeitig wird der Landesvorstand der FDP Bayern aufgefordert die oben genannten Forderungen in die FDP zu tragen und die FDP im Bund dazu zu bewegen, mehr auf das Thema Bürgerrechte zu setzen. Partei und Fraktion sollen sich ihrer Verantwortung gegenüber Parteitagsbeschlüssen bewusst sein und diese konsequent umsetzen.
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